Am 9. November 2025 – einem besonders bedeutsamen Datum der Geschichte – traf sich unsere Gruppe mit rund 20 Teilnehmer*innen um 11 Uhr im Foyer des Willy-Brandt-Museums. Unter ihnen waren auch acht Taube Personen und ein Gebärdensprachdolmetscher. Zu Beginn erzählte die Stadtführerin kurz aus dem Leben von Willy Brandt. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde es für den jungen Herbert Frahm gefährlich. Um sich vor den Nazis zu schützen, nahm er den Namen Willy Brandt an und floh nach Norwegen. Dort setzte er sein politisches Engagement fort. Anschließend begann der zweistündige Rundgang zu „Orten der Demokratie“ in Lübeck. Eine wichtige Station war das Johanneum, das Willy Brandt von 1927 bis 1933 besuchte. In dieser Zeit engagierte er sich in einer sozialistischen Jugendgruppe – ein erster Schritt auf seinem späteren Weg als Kämpfer für Demokratie und Freiheit. Weitere Stationen führten uns zu Orten und Straßen, an denen Persönlichkeiten wirkten, die für demokratische Werte einstanden: die Julius-Leber-Straße, die Fleischhauerstraße, der Rathausmarkt und schließlich die Gerade-Querstraße. Der Rundgang machte sichtbar, wie viele Spuren des demokratischen Engagements in Lübeck bis heute im Stadtbild erkennbar sind – und wie wichtig es ist, sich dieser Geschichte immer wieder bewusst zu werden.
AKTUELLES
Ángela ist gehörlos, Héctor hört. Sie sind ein junges, glückliches Paar und erwarten ihr erstes Kind – ein Mädchen namens Ona. Doch je näher die Geburt rückt, desto größer wird Ángelas Sorge: Wie kann sie in einer hörenden Welt Mutter sein? Wird Ona hören oder gehörlos sein wie sie? Der Film „Sorda – Der Klang der Welt“ zeigt mit viel Gefühl und Ehrlichkeit, wie Ángela und Héctor mit Ängsten, Barrieren und Missverständnissen umgehen – und wie stark ihre Liebe dabei bleibt.
Wann: Mittwoch, 12.11.2025, um 20.00 Uhr
Wo: Koki (kommunales Kino), Mengst. 35, 23552 Lübeck
Das Theaterstück ohne Sprache Ich bin Pinguin passt gut zu den Tauben Kinder und Erwachsenen
Bei einem Schneesturm in der Antarktis schlüpft einem verlassenen Ei ein struppiges Vogelküken. Der erstaunte Pinguin nimmt es als Kind an. Der kleine Vogel lernt von Pinguin alles, was dieser weiß. Aber Pinguin hat keine Flügel und kann nur watscheln … Die taube Schauspielerin Pia Katharina Jendreizik und der hörende Puppenspieler Andreas Pfaffenberger erzählen mit viel Musik, faszinierenden Bildern und ohne ein gesprochenes Wort von dieser ungewöhnlichen Freundschaft.
Wann: Mittwoch, 12. November 2025 um 16.00 Uhr
Wo: KOLK 17 Figurentheater & Museum, Kolk 14, 23552 Lübeck. Großer Saal
Eintritt: 4,00 Euro
US-Historikerin und Professorin für Geschichte an der City University oft New York Dagmar Herzog hielt am 8.11.2025 im voll besetzen Audienzsaal des Rathauses einen Vortrag über ihr Buch „Eugenische Phantasmen - Eine deutsche Geschichte“. Unter den Zuhörenden befanden sich auch acht taube Teilnehmende.
In ihrem Buch untersucht die Dagmar Herzog, wie in Deutschland in den letzten 150 Jahren über den Wert von behindertem Leben gesprochen wurde. Im Mittelpunkt steht das eugenische Denken. Dieses Denken führte im Nationalsozialismus zur „Euthanasie“, also zur Tötung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.
Dagmar Herzog zeigt, dass diese Verbrechen eine lange Vorgeschichte hatten – und dass eugenische Ideen auch nach 1945 weiterwirkten.In ihrem Vortrag erläuterte sie, wie sich in den Debatten über Eugenik Vorstellungen aus Medizin, Schule, Religion, Arbeit und Sexualität miteinander vermischten. In der anschliessenden Diskussionsrunde berichtete Gudrun Müller über die Zwangssterilisation der Tauben Menschen zwischen 1933 und 1945.
Die Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck Elke Sasse hat uns zur Frauenversammlung am 7.11.2025 im Rathaus eingeladen. Nur 6 interessierten Tauben Frauen waren dabei und auch ca 80 Teilnehmerinnen aus ganz Schleswig-Holstein. Vor dem Beginn der Veranstaltung hielt Aminata Touré, Ministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Schleswig-Holstein eine Videobotschaft mit Untertitel. Dann eröffnete Frau Sasse die Frauenveranstaltung.
In dieser Veranstaltung ging es um Frauen in der Kommunalpolitik. Daten und Fakten zeigten, wie viele Frauen aktiv sind – und wo sie noch fehlen. Es werden sowohl die Herausforderungen als auch gute Beispiele und Erfolge vorgestellt.
Was können Parteien, Fraktionen, Kommunen und das Land tun, um mehr Frauen für die Politik zu gewinnen – und sie dort zu halten? Was können Frauen selbst beitragen?
Die Autorinnen Cécile Weidhofer und Tannaz Falaknaz von der EAF Berlin lasen aus ihrem neuen Buch „Zu anders für die Macht?“ Es gab zahlreiche Ansätze, über neue Strategien in der Kommunalpolitik nachzudenken - mehr Frauen. Das war eine interessante Frauenveranstaltung.

In der Winterzeit von November 2025 bis März 2026 trainieren wir wieder in der Boulehalle. Es nahmen neun Spieler teil, darunter sechs Hamburger und drei Kieler. Die beiden Männer Michael und Jens sind mit dem Fahrrad von zu Hause bis zur Boulehalle gefahren. Das passte super zum herbstlichen Wetter. Wir gehörlosen Spieler hatten die Halle ganz für uns allein und konnten entspannt und in Ruhe spielen. Wie immer spielten wir ganz locker Einzel, Doublette und Triplette. Es hat uns Spaß gemacht. Gut gelaunt und zufrieden gingen wir anschließend nach Hause. Das nächste Training findet am 2. Dezember wieder dort statt. Wir freuen uns darauf, wieder gemeinsam zu spielen.
Text geschrieben von Ulrike Jarmers
